Eine Schule für Kinder und Jugendliche mit AD(H)S

Vorgeschichte
Das Private Gymnasium Esslingen (PGE) wurde gemeinsam von Eltern und Lehrern imDezember 2008 gegründet und nahm im Januar 2009 seinen Betrieb auf. Die Schulneugründung fand unter erschwerten Bedingungen statt, da der vorangegangeneSchulträger, die Münsinger Schule gGmbH, im Herbst 2008 nach 1 ½ Jahren des Schulbetriebs in Insolvenz gegangen war. Schüler, Eltern und Lehrer standen buchstäblich vor dem Nichts. Sie engagierten sich in der Not mit Darlehen und Einzelbürgschaften, die Lehrer zusätzlich noch mit einem Gehaltsverzicht, um den Neustart zu ermöglichen. Die Schule wird von einem Trägerverein in Selbstverwaltung betrieben.

Das Schulmodell basiert auf den langjährigen Erfahrungen der Mininotschule e.V. am Kindertherapeutischen Zentrum Esslingen. Das PGE bietet als erste und nach wie vor einzige Schule in Deutschland eine gymnasiale Perspektive für Kinder und Jugendliche mit AD(H)S im Rahmen eines multimodalen Konzepts an. Die am PGE beschulten SchülerInnen gelten aufgrund ihrer ausgeprägten AD(H)S in der Regel als an öffentlichen Schulen nicht mehr beschulbar. Viele SchülerInnen verbinden mit ihrer alten Schule traumatische Erfahrungen, sie sind geprägt von Schulangst und Schulverweigerung. Zahlreiche SchülerInnen haben neben den oftmals mit AD(H)S einhergehenden Teilleistungsstörungen (LRS, Dyskalkulie, graphomotorische Störungen) zusätzliche komorbide Störungen entwickelt, die im Schulalltag zusätzliche - und an öffentlichen Schulen oft unsteuerbare - Herausforderungen darstellen. Viele unserer Kinder sind nachweislich durch ihr ADHS von einer seelischen Behinderung bedroht. Das Einzugsgebiet des PGE ist wegen seines Alleinstellungsmerkmals besonders groß. Der Radius des Einzugsgebiets beträgt ca. 70 km. Die SchülerInnen nehmen also täglich selbständig einen weiten Schulweg auf sich. Sie tun dies aber gerne, weil die meisten unter ihnen am PGE erstmals Schule als positiven Lebens- und Lernort, als „ihre" Schule begreifen.

Der Anteil von SchülerInnen aus schwierigen familiären Verhältnissen (Scheidung der Eltern, allein erziehenden Müttern) ist mit 39,5 % überproportional hoch. Hinzu kommen ökonomische Belastungsfaktoren (Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe). Deshalb hat die Schule in Zusammenarbeit mit der „Initiative Habakuk“ (Caritas) eine Elternschulung mit dem Ziel begonnen, dass betroffene Eltern sich gegenseitig im Umgang mit Behörden bei gesetzlichen Leistungsansprüchen ihrer Kinder z.B. nach SGB VIII, kompetent unterstützen können. Das PGE bietet dazu auch auf der Homepage der Schule umfangreiche Informationen für hilfesuchende Eltern an. 

Die Besonderheit des PGE zeigt sich unter anderem an seiner Struktur. In engster Kooperation mit dem Lehrerkollegium arbeitet ein vierköpfiges psychologisch-pädagogisches Team (PPT). Das PPT wird von einer Psychologin geleitet und besteht neben ihr aus zwei Sozialpädagoginnen. Besonders ist auch, dass die stellvertretende Schulleiterin eine Mitarbeiterin des PPT ist. Diese strukturelle Entscheidung wurde getroffen, um der Bedeutung des PPT im pädagogischen Gesamtmodell der Schule ausreichend Gewicht zu verschaffen.

Die Tätigkeit des PPT ist mit dem unterrichtlichen Geschehen an der Schule aufs Engste verwoben. Unsere Arbeitsweise ist gekennzeichnet von einem interdisziplinären Ansatz (medizinisch, psychologisch und pädagogisch) mit multimodaler Vorgehensweise. Unsere SchülerInnen erfahren vielfältige Unterstützungen auf verschiedenen Ebenen, wobei wir auch das Elternhaus konsequent mit einbeziehen. Unsere Lehrer erfahren intensive Schulungen zum Verständnis des AD(H)S. Einzelfallbesprechungen im Rahmen der
wöchentlichen Teamsitzung (gemeinsames Tagen der Gesamtlehrerkonferenz mit dem PPT) kommen hinzu. Das gesamte Schulmodell ist auf die besonderen Bedürfnisse der SchülerInnen mit AD(H)S ausgerichtet. Dafür wurde ein schuleigenes Curriculum erarbeitet, das die Stärkung der Selbstkompetenz, Sozialkompetenz und Methodenkompetenz zum Ziel hat. Die Stärkung dieser Kompetenzen bedarf erfahrungsgemäß bei Kindern und  Jugendlichen mit AD(H)S besonderer Aufmerksamkeit. Wir verstehen unseren klar strukturierten Schulalltag und -unterricht als vorübergehendes "Korsett", um Selbstregulation
und Selbstorganisation auf Seiten der SchülerInnen zu ermöglichen, damit sie später auch ohne fremde Hilfe im Alltag zurecht kommen können. Das PGE ist als Ganztagesschule konzipiert und der Unterricht erfolgt nach der Stundentafel für die allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg (G8). Das PGE bietet ab Klasse 8 das naturwissenschaftliche Profil mit dem Hauptfach NWT an. Die Sprachenfolge ist Englisch ab Klasse 5, Französisch oder Latein ab Klasse 6. Die Präsenzzeiten des Kollegiums an der Schule gehen über das normale Maß weit hinaus. Es ist uns ein Anliegen, dass Lehrer und Schüler auch jenseits des Unterrichts gemeinsam Zeit verbringen und so auch „Partner im Spiel" werden. Derzeit werden am PGE 82 SchülerInnen in den Klassen 5-11 unterrichtet.

Leistung
Unser Leistungsbegriff versteht sich als ganzheitlich und ist nicht einseitig an Noten orientiert. Angesichts der oft traumatischen Schulerfahrungen wollen wir ganz bewusst ein Klima des gegenseitigen Verständnisses und Aufeinanderzugehens schaffen. Dabei setzen wir weniger auf Erziehungs- als auf Beziehungsarbeit. Unsere Erfahrung zeigt: Ein Schüler, der seinen Lehrer schätzt, wird viel eher Anstrengungsbereitschaft im jeweiligen Schulfach zeigen. Dabei unterlassen wir es aber nicht, Verabredungen und Vereinbarungen konsequent einzufordern. Bei all dem wollen wir den gymnasialen Anspruch auf schulischer Seite umsetzen.

Im Leitbild und im Schulcurriculum des PGE werden dem Erwerb der Methodenkompetenz, der Ich- bzw. Selbstkompetenz und der Sozialkompetenz besondere Bedeutung zugemessen. AD(H)S-bedingt sind diese Kompetenzen mangelhaft ausgeprägt bzw. bedarf ihr Erwerb besonderer Unterstützung. Dies soll durch eine besondere Gewichtung im Schulcurriculum und der Vermittlung fachübergreifender Handlungskompetenzen (im Schulcurriculum verankerte zwei- bis dreitägige Projekttage je Halbjahr) geleistet werden. Am PGE erhält jeder Schüler nach jeder Unterrichtsstunde eine Rückmeldung in Form von Leistungspunkten (aktive Mitarbeit, Vollständigkeit des Unterrichtsmaterials/erledigte Aufgaben, sowie angemessenes Verhalten). Es handelt sich dabei um einen Belohnungsanreiz. Denn diese Punkte fließen im Rahmen eines Wochenberichts in eine Gesamtbeurteilung ein, die bei besonders guten Leistungen den Erwerb von „Gutscheinen" erlaubt, die der Schüler einlösen kann, um eine unliebsame Übungsaufgabe nicht erledigen zu müssen. Sofern der Schüler 12 Punkte unter dem Soll liegt, muss er eine beaufsichtigte Extrastunde („Extrasilentium“) ableisten, bei dem dann entstandene Lücken geschlossen werden (Nachholen von Aufschrieben, Vokabellernen, Schultasche aufräumen etc.). Neben den erzielten Leistungspunkten enthält der Wochenbericht auch schriftliche Aufzeichnungen, die die Woche über von den Lehrkräften in ein Klassenheft eingetragen wurden. Dort finden sich sowohl Lob als auch Tadel. Auch finden hier Auffälligkeiten wie sich einstellende oder abflauende Tickstörungen, auffällige Verhaltensänderungen oder ggf. beobachtete Schwankungen der Medikamentenwirksamkeit wieder. Diese Wochenberichte werden von den Eltern unterschrieben und dienen zusätzlich dem engen Schulterschluss von Schule und
Elternhaus. Sie werden oft auch von Ärzten zur besseren Einstellung von Medikamentendosen herangezogen. Damit die Eltern auch unterjährig über die schulischen Leistungen im Bilde sind, fertigt das
PGE neben den üblichen Zeugnissen zum Halbjahr und Schuljahresende zusätzlich Quartalsmitteilungen aus.

Die Schule nimmt jedes Jahr freiwillig an den Diagnose- und Vergleichsarbeiten DVA teil. Die Auswertungen werden im Rahmen der wöchentlichen Teamsitzung ausführlich besprochen und erforderliche Maßnahmen zur Förderung der Klasse im Sinne einer zielführenden Binnendifferenzierung eingeleitet. Die Teilnahme an einem Wettbewerb wie der Lego-League wird von außerschulischen Partnern (Studenten) der Hochschule für Technik Esslingen in Freizeitaktivitäten vorbereitet. Es hat sich gezeigt, dass die Benennung von leistungsstarken Schülern als Tutoren im Sinne von Lernhelfern innerhalb der Klasse eine positive Auswirkung auf das soziale Verhalten des Einzelnen und der Klasse insgesamt hat. Dass diese Schüler dabei immer wieder in die Lehrerrolle schlüpfen, stärkt die Selbstkompetenz der Einzelnen und dient zugleich der Binnendifferenzierung. Am Schuljahresende werden, wie an anderen Schulen üblich, Belobigungen und Preise ausgegeben. Daneben werden bei uns auch SchülerInnen für mutiges Eintreten für Andere, Hilfsbereitschaft, Sorgfalt und Pünktlichkeit besonders belobigt. Vergangenes Jahr sahen wir
es für angemessen, einen Schüler „nur" dafür zu belobigen, dass er den Mut hatte, an unsere Schule zu kommen. Fallen Schüler im Unterricht auf bzw. in ihren Leistungen ab, werden diese Fälle in den wöchentlich stattfindenden Teamsitzungen (GLK tagt gemeinsam mit PPT) detailliert besprochen. Sowohl die schulisch-didaktischen als auch die psychologisch-pädagogischen Aspekte werden hierbei eingehend beleuchtet. Es werden dann Maßnahmen bis hin zur Einzelförderung (schulisch), oder Audienzen (Einzelgespräche nach verhaltenstherapeutischen Gesichtspunkten) durchgeführt. Sofern das Elternhaus/Arzt/externer Therapeut einbezogen werden muss, wird dies in die Wege geleitet. So wollen wir erreichen, dass wir Leistungseinbrüche früh erkennen und mit angemessenen Maßnahmen reagieren. So werden beispielsweise für die Schulferien konkrete Lernpakete geschnürt, deren Erledigung teils schon während, detailliert dann aber nach den Ferien überprüft und besprochen wird. Das PGE ist noch nicht staatlich anerkannt, sondern derzeit lediglich staatlich genehmigt. Wir rechnen mit der staatlichen Anerkennung zum Jahreswechsel 2010/2011. Bis dahin bereiten wir die SchülerInnen der Klasse 10 in intensiven Vorbereitungskursen auf die Realschulfremdenprüfung vor. Im abgelaufenen Schuljahr hat diese erfolgreiche Erfahrung bei unseren SchülerInnen zu einer ungeahnten Motivationsentfaltung und einer Stärkung des Selbsbwustseins geführt. Im laufenden Schuljahr erwägen wir für die schwachen Schüler in
Klasse 9 die Durchführung der Schulfremdenprüfung für den Hauptschulabschluss. Wir tun dies aus dem Gefühl der Verantwortung heraus, da wir so für unsere SchülerInnen gleichsam einen „doppelten Boden“ einziehen. Da wir in verschiedenen Klassen auch hochbegabte SchülerInnen haben, wurde verabredet, dass die Fachlehrer Sonder- und Extraaufgaben bereit halten, um besonders wissbegierige und leistungsstarke SchülerInnen binnendifferenziert zu fördern. Auch eröffnen wir besonders leistungsbereiten SchülerInnen die Möglichkeit eine Klasse zu überspringen. Dies ist bereits in diesem Jahr erfolgreich geschehen. Sofern aus nachvollziehbaren Gründen sich im Verlauf des Schuljahres ein Leistungseinbruch eingestellt hat, der zur Nichtversetzung geführt hat, streben wir bei entsprechend positiver Prognose grundsätzlich eine Versetzung
auf Probe an, begleitet von entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen schon während der Sommerferien und dann auch zu Beginn des neuen Schuljahres zur Vorbereitung auf die qua Versetzungsordnung vorgeschriebene Nachprüfung.

Umgang mit Vielfalt
Wir bringen jedem einzelnen Schüler, unabhängig von seinem schulischen Erfolg, Wertschätzung entgegen, indem wir sein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten stärken und so seine Lernbereitschaft wecken. Unsere Schüler besuchen nach dem gemeinsamen Mittagessen, an dem auch die Lehrerkollegen teilnehmen, verschiedene Freizeitaktivitäten, die als gelenkte Beschäftigung gestaltet sind. Dort arbeiten die SchülerInnen jahrgangsübergreifend zusammen. Im aktuellen Schuljahr bieten wir verschiedene Freizeitaktivitäten an, vom Improvisations-Theater, über Robotik und Foto-AG, über den Lauftreff bis hin zu Schachspiel und Lesen, um nur einige zu nennen. Durch die hohen Präsenzzeiten der Lehrer wird ermöglicht, dass sich Lehrer und Schüler auch jenseits des eigentlichen Fachunterrichts als Mitglieder der Schulgemeinde, als Menschen jenseits von Lehrer- und Schülerrolle begegnen. Die an der Schule praktizierten Förderkonzepte (LRS-Training nach vorangegangener Diagnostik: Hamburger Schreibprobe; Einzelunterricht, Nachhilfe, Silentiumsstunden) orientieren sich an den individuellen Stärken und Schwächen der SchülerInnen. Tritt ein Schüler neu in die Schule ein, wird ein verbindlicher Schülervertrag unterzeichnet, der nicht nur die Schulordnung, sondern auch die Erklärung zur aktiven Mitarbeit enthält. Unsere Schulklassen (maximal 15 Schüler/Klasse) zeichnen sich in der Regel durch eine große Heterogenität aus. Dies trifft insbesondere für die unteren Klassenstufen zu. Damit die jeweiligen Fachlehrer jederzeit den Überblick über die verschiedenen Lernvoraussetzungen, und Lernbiographien der SchülerInnen behalten, haben wir Schülerkarteien erstellt, aus denen die wichtigsten Fakten hervorgehen, damit sich die Fachkollegen auf die Herausforderungen einstellen können. Das PPT (psychologisch-pädagogisches Team) steht hier den Lehrern für Beratungen jederzeit zur Verfügung. Viele Schüler sind recht spät an unsere Schule gekommen und weisen insbesondere im Fach Latein als zweiter Fremdsprache große Lücken auf. Unsere Schule begegnet diesem Umstand durch den Einsatz eines zusätzlichen Lehrers, der teils im Unterricht als Co-Teacher anwesend ist und wo erforderlich, Hilfestellungen gibt, oder aber auch Parallel zum Unterricht Einzelbetreuung in Gestalt von passgenauer Nachhilfe gibt. Dazu findet zwischen den beiden beteiligten Lateinlehrern ständig ein intensiver Austausch statt.

Unterrichtsqualität
Voraussetzung für guten Unterricht ist zunächst die ausgezeichnete fachliche Qualifikation der jeweiligen Fachlehrer, verbunden mit der Liebe zum Lehren, gepaart mit einem großen Verständnis und Herz für die Belange unserer von AD(H)S betroffenen SchülerInnen. Am PGE erhalten die Kolleginnen und Kollegen in Intensivkursen und wöchentlichen Arbeitssitzungen das Rüstzeug für das notwendige Verständnis der AD(H)S, damit guter Unterricht bei unseren Schülern gelingen kann. Ergänzt durch gegenseitige Unterrichtsbesuche (Qualitätszirkel), beratende Unterrichtsbesuche durch die Schulleitung und die Mitarbeiterinnen des PPT sowie Zielvereinbarungen mit anschließenden Feedback-Besprechungen dienen der Entwicklung guten Unterrichts. Das Kollegium am PGE hat sich mit den im Schulsprengel tätigen Kollegen verbunden und macht regen Gebrauch von den durch das Regierungspräsidium bzw. das Kultusministerium angebotenen Lehrerfortbildungsangeboten. Um den besonderen Bedürfnissen von AD(H)S betroffenen Schülern entgegen zu kommen, arbeiten wir am PGE in kleinen Lerngruppen von maximal 15 SchülerInnen. Die SchülerInnen bleiben außer bei der Sprachweiche (Latein/Französisch oder beim naturwissenschaftlichen Unterricht) immer in „ihrem“ Klassenzimmer. Das vermeidet Unruhe. Dabei arbeiten die SchülerInnen an Einzeltischen, die nach vorn zum Lehrerpult hin ausgerichtet sind. Die Klassenzimmer sind reizarm eingerichtet, auf starke Farben wird bewusst verzichtet. Die üblichen Sozialformen sind der lehrerzentrierte Unterricht und die Einzelarbeit. Erst langsam können die SchülerInnen an die Arbeit in anderen Sozialformen wie Partner- und Gruppenarbeit herangeführt werden, da es ansonsten oftmals zu massiven Störungen des Unterrichts kommt. Die Unterrichtsorganisation, der Unterrichtsablauf sowie die Lehrer-Schüler-Kommunikation verlaufen nach klar vorhersagbaren Grundprinzipien. Zu diesen gehört eine klare Zeitplanung, unmissverständliche Arbeitsanweisungen sowie intensive Strukturhilfen bei der Vergabe von Langzeitaufgaben (GFS, Referaten etc.). Je nach Leistungsfähigkeit der Klasse muss ggf. kleinschrittig vorgegangen werden. Dabei setzten wir an unserer Schule, wenn irgend möglich, das Doppelstundenmodell um, was in den Unterrichtsalltag mehr Ruhe bringt. Durch den schwerpunktmäßigen Einsatz von Poolstunden (Zusatzstunden) in den Hauptfächern bereits ab den unteren Klassenstufen sollen Teilleistungsstörungen möglichst früh ausgeglichen werden und können intensive Übungsphasen zur Festigung des Erlernten eingeräumt werden. Dadurch vermindert sich der Zeitaufwand für die Silentiumsaufgaben (die weitgehend in der Schule erledigt werden). Das Wort „Hausaufgaben“ ist bei uns tabu, weil es für viele SchülerInnen zu viele negative Konnotationen hat. Als Ganztagesschule wollen wir durch die weitestgehende Erledigung der Schulaufgaben während der Schulzeit
auch einen Beitrag zur „Befriedung“ des Lebens in der Familie leisten. Der Schulalltag am PGE ist gegliedert in fünf Vormittagsstunden, dem gemeinsam eingenommenen Mittagessen von 12.40 - 13.00 Uhr. Daran schließen sich die Freizeitaktivitäten an, die von den Schülern frei gewählt werden, dann aber konsequent besucht werden müssen. Um 14.00 Uhr beginnt der Nachmittagsunterricht, der sich über zwei weitere Schulstunden bis 15.35 Uhr erstreckt. Nach einer kurzen Pause schließt sich in der letzten Stunde das Silentium an, das den SchülerInnen unter Aufsicht und Hilfestellung die weitestgehende Erledigung der Übungsaufgaben ermöglicht. Um unsere Schüler zu entlasten, verzichten wir darauf, ohne dass wir die sogenannten Nebenfächer gering schätzen wollen, in diesen mehr Klassenarbeiten als notwendig zu schreiben. Wir wollen, dass sich die Arbeit der Schüler zunächst auf die Kernfächer konzentriert. Bei vorhandenen Prüfungsängsten oder bei besonders ausgeprägter Ablenkbarkeit haben wir die Möglichkeit, den betroffenen Schüler aus dem Klassenverband herauszunehmen und durch Schaffung eines individuellen Lern-/Arbeitsumfeldes unter individueller Betreuung einer Mitarbeiterin des PPT eine neue Option zur Leistungsentfaltung zu eröffnen. Ein fächerübergreifend organisiertes Methodentraining stellt sicher, dass alle Fachkollegen in den jeweiligen Fächern die gleichen Standards einfordern und unsere auf „Schlupflöcher“ spezialisierten SchülerInnen überall gleiche Regeln und Bedingungen vorfinden. Neben dem
Erwerb von Methodenkompetenz stehen der Erwerb von Selbstkompetenz und der für den angemessenen Umgang in der Klasse wichtige Erwerb der Sozialkompetenz im Vordergrund. Immer wieder binden wir außerschulische Lernorte als praxisorientierte Elemente in den Fachunterricht ein. Diese Ausflüge auf Klassenebene stellen auch eine Gelegenheit zur Bewährung dar und geben uns die Möglichkeit zu überprüfen, wie weit unsere SchülerInnen als Gruppe von AD(H)S-betroffenen im öffentlichen Raum angemessen auftreten können. Beim Fremdsprachenunterricht haben wir uns intensiv Gedanken über geeignete Hilfsmaßnahmen für unsere SchülerInnen gemacht. Da nach unserer Erfahrung das nachhaltige und strukturierte Vokabellernen bei AD(H)S-betroffenen besonders schwer fällt, bieten wir auf der Schulhomepage den SchülerInnen Vokabellisten sämtlicher Lehrwerke und Fächer in digitaler Form an. Für die Schüler wird ein kostenloser Account bei www.vokker.net eingerichtet, einem online-basierten Vokabeltrainer, der dem Lehrer die Kontrolle über das individuelle Lernverhalten erleichtert. Dem Schüler wird unnötiges und zeitraubendes (und bei von LRS-betroffenen Schülern oft fehlerbehaftetes) Abschreiben der Vokabeln erspart. Er kann die bereitgestellten Vokabellisten einfach in seinen persönlichen  web-basierten Vokabeltrainer importieren und loslegen. Der Lehrer ist damit jederzeit (auch außerhalb des Unterrichts bzw. in den Ferien) in der Lage, sich von der Regelmäßigkeit, der Qualität und über das erledigte Pensum zu informieren. Wir entlasten damit sozusagen „nebenher“ auch das Elternhaus, da sich die leidigen Nachfragen der Eltern, ob den gelernt wurde, erübrigen. Auch der Fremdsprachenlehrer ist dadurch in seinem Unterricht stark entlastet, da er die Anzahl von Vokabeltests deutlich reduzieren kann. Er ist ja jederzeit über einen Blick in den jeweiligen Account des Schülers im Bilde, ob dieser gelernt hat oder nicht. Alternativ können die Vokabeln für SchülerInnen, die noch nicht gelernt haben mit dem Internet verantwortlich umzugehen, ganz einfach auf Kärtchen ausgedruckt werden so dass auch einem „analogen Lernen“ in herkömmlicher Form nichts im Wege steht. Durch den Einsatz von 15 Laptops mit WLAN-Verbindung kann das Vokabellernen mit Vokker auch als Übungsphase während des Unterrichts in Klassenstärke oder auch individuell im Silentium (betreutes Lernen am Ende des Schultages) unkompliziert eingesetzt werden. Auch befinden sich in allen Klassenräumen zusätzlich mehrere PCs. Für das Fach Englisch bietet sich die zusätzliche Option, dass sich die SchülerInnen die Vokabeln in der Fremdsprache per Kopfhörer störungsfrei vorsprechen lassen können. Dies geschieht per Knopfdruck und ohne jeden Aufwand während des Lernens, wobei die Aussprache der vorgesprochenen Vokabeln muttersprachliche Qualität aufweist. Viele Schüler haben nach Einführung dieser Lernmethode in der jeweiligen Fremdsprache
enorm aufgeholt und einen geradezu sportiven, gesunden Ergeiz beim Lernen entwickelt. Alle Anleitungen zu dieser Lernmethode können nach der ausführlichen Einführung im Unterricht jederzeit auf der Schulhomepage nachgelesen werden. Die öffentlich, ohne Copyright auf der Homepage dargebotenen Vokabellisten, werden inzwischen auch gerne von anderen Schulen verwendet.

Verantwortung
Die gesamte Konzeption des PGE basiert auf einer engen Zusammenarbeit von Lehrern, Schülern und Eltern. Nur durch eine intensive Abstimmung zwischen Elternhaus und Schule und der aktiven Einbeziehung der SchülerInnen in alle Entscheidungsprozesse kann unser Schulmodell gelingen. In jeder Hinsicht darf Partizipation am PGE als institutionalisiertes Instrument bezeichnet werden. Dies gilt für Schüler wie für Eltern und das Kollegium. Denn das Motto unserer Schule lautet: "Wir machen Schule".
Die Schülermitverantwortung findet ihren Niederschlag in den Klassen durch die Klassensprecher, in den Gremien der SMV, sowie in Gestalt des gewählten Schülersprechers. Die gewählten Schülervertreter tragen auch in der Schulkonferenz, dem höchsten Gremium der Schule Verantwortung. Daneben können sich die Schüler auf Klassenebene im Klassenrat einbringen, der wöchentlich stattfindet und von einer Mitarbeiterin des PPT moderiert wird. Dort werden Konflikte innerhalb der Klasse besprochen und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Unser Erziehungsschwerpunkt liegt auf dem respektvollen Umgang miteinander, auf gewaltfreier Konfliktlösung und dem sorgsamen Umgang mit Sachen. Es entstand auf Anregung der SchülerInnen das Schulgremium, in dem sich Schüler, bei mehrfachen schweren Versäumnissen und Regelverstößen klassenübergreifend vor ihren Mitschülern verantworten müssen. Dieses Gremium, dem lediglich ein Mitglied des PPT angehört, bewirkt oft mehr, als die eine oder andere Ermahnung durch den Klassenlehrer oder die Schulleitung. Alle Schüler übernehmen in vielfältiger Weise Verantwortung. Sie sind verantwortlich für die Reinigung der Klassenzimmer (Ordnung halten, Staubsaugen, Mülleimer leeren), sie
erledigen nach dem Mittagessen den Küchendienst, bei dem sie die Tische abräumen und abwischen, das Geschirr und Besteck einsammeln und für die Spülmaschine vorbereiten. Auch im Außenbereich übernehmen die SchülerInnen wöchentlich Reinigungsarbeiten. Am Beginn eines jeden Schuljahres übernehmen die Schüler der Klasse 8 traditionell die Aufgabe eines Schulpaten für die neu hinzu gekommenen Schüler. Sie sind persönliche Ansprechpartner und unterstützen die neuen Schüler intensiv dabei, sich im neuen Umfeld zurecht zu finden. Die Verantwortung füreinander wird von den Schülern auch außerhalb der Schule praktiziert. So wurden auf Vorschlag der SMV eine Aufsicht für die öffentliche Bushaltestelle eingerichtet, um dort ein geordnetes Ein- und Aussteigen sicher zu stellen und stürmisches
Herumtoben zu unterbinden. Auch achten die Älteren auf die Jüngeren, damit diese auch die Unterführung nehmen und nicht über die Straße rennen. Im vergangenen Schuljahr engagierten sich die Schüler durch eine zweitägige Spendensammelaktion für eine Mitschülerin, die an Leukämie erkrankt ist und dringend eine Knochenmarksspende benötigt. Wir wollen uns als Schulgemeinde auch in den kommenden Jahren regelmäßig mit einem Stand beim Esslinger Bürgerfest beteiligen. Dabei sollen die SchülerInnen Bastelarbeiten zum Verkauf anbieten, Waffeln verkaufen und für unsere Partnerklasse in Südafrika Spenden sammeln. Denn im laufende Schuljahr wollen wir uns in der 7. Klasse im Rahmen des Englischunterrichts einmal wöchentlich mit der Sir Lowry’s Pass Primary School in Sommerset West bei Kapstadt mit einer Schulklasse vor Ort per Videokonferenz vernetzen. Die SchülerInnen dieser Schule stammen aus den Slums bei Kapstadt und leben teils unter erbärmlichen Umständen, viele haben ihre Eltern durch AIDS verloren. Wir erwarten durch diese Unterrichtskooperation einen starken Impuls hin zum sozialen und interkulturellen Lernen.

Schulklima - Schulleben - außerschulische Lernpartner
In Anbetracht der überwiegend negativen Erfahrungen unserer SchülerInnen mit dem Lebens- und Lernort Schule in der Vergangenheit, ist es für uns von großer Bedeutung unseren SchülerInnen am PGE ein Gefühl von Geborgenheit und Aufgehobenheit zu geben. Dies wird allein schon durch die begrenzte Zahl von Schülern begünstigt, denn selbst im voll ausgebauten Stadium (acht Klassen á 15 Schülern) wird unsere Schulgemeinde mit 120 SchülerInnen immer überschaubar bleiben. Wir achten schon bei der Personalauswahl darauf, dass unsere Lehrer nicht nur fachlich hoch kompetent, sondern auch in hohem Maße empathiefähig sind und ihre Lehrertätigkeit auch als Berufung verstehen. Die jenseits des Unterrichts gemeinsam mit den Kindern in Pausen und Freizeitaktivitäten verbrachte Zeit schafft eine gesunde Vertrautheit und Nähe, die den Kindern gut tut. Durch den intensiven Austausch in den Teamsitzungen lernt jeder Lehrer jeden Schüler kennen und erwirbt so das notwendige Hintergrundwissen, um auf seine Bedürfnisse konkret eingehen zu können. Am PGE praktizieren wir auch im buchstäblichen Sinne das „offene Klassenzimmer“, denn die Türen zu den Klassenzimmern stehen meist offen. Dies schon deswegen, dass das PPT einen besseren Überblick über das Geschehen in den einzelnen Klassen hat und es führt nebenbei dazu, dass sich die SchülerInnen in der Regel ruhiger verhalten und den Geräuschpegel von selbst senken, weil sie draußen niemanden stören wollen. Eine besondere Bedeutung kommt hier auch dem gemeinsamen Mittagessen zu, an dem SchülerInnen und Lehrer gemeinsam teilnehmen. Immer wieder führen wir auf Wunsch der Kinder auch ein "Flüstermittagessen" durch, bei dem wirklich nur geflüstert werden soll. Dies schafft gerade für die überreizten SchülerInnen einige Minuten der Ruhe und Entspannung. Bei Tisch übernehmen die älteren Schüler aus Klasse 10 den Vorsitz , tragen das Essen auf, und sorgen für angemessenes Verhalten bei Ti sch.  Auch dürfen wir Paula nicht vergessen. Paula ist ein gutmütiger Tibetterrier und gehört als unser Schulhund zum festen „Bestandteil" des PPT. Paula hat jederzeit Zugang zu allen Klassenzimmern und sucht - so ist unser Eindruck - immer gerade jene Kinder auf, die sich in einer emotional schwierigen Situation befinden. Paula wird gekuschelt, und ist „Gesprächspartner" für die Verstummten, Spielkamerad und Freundin. Auch im Umgang mit Paula müssen Regeln befolgt werden. So darf sie nicht gefüttert werden und wer Paula Gassi führen will muss sich durch Verantwortungsbewusstsein auszeichnen. Ein wesentliches Element der pädagogischen Arbeit am PGE ist das enge Miteinander von Elternschaft und Schule. An unserer Schule wurden die Verordnungen des Landes Baden-Württemberg zur Elternmitbestimmung und zur Schülermitbestimmung umfänglich umgesetzt. Die Klassenpflegschaften sind lebendig, die Arbeit im Elternbeirat ist intensiv und das Zusammenspiel aller Beteiligten einschließlich der SchülerInnen in der Schulkonferenz darf als vorbildlich und zu jeder Zeit als zielführend und konstruktiv bezeichnet werden. Die Tatsache, dass am PGE alle Eltern zugleich auch Mitglied im Schulträgerverein sind, verstärkt nochmals die intensive Identifikation mit der Schule und ihren Zielen. Eltern und Lehrer sind darüber hinaus auch in Kuratorium, dem zentralen Organ des Trägervereins, gemeinsam vertreten und arbeiten dort in Ausschüssen (Haustechnik, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen, Personal, etc.) aufs engste zusammen. Die regelmäßigen Treffen („Jour fixe“) zwischen Schulleitung und Vorstand des Trägervereins erlauben eine zeitnahe und enge Abstimmung in Verwaltungsfragen und sind getragen von gegenseitigem Respekt und Professionalität. Der Schule kommt zu gute, dass sich durch intensive, engagierte Diskussionen eine klare Aufgabentrennung bzw. -zuordnung von Schulleitung und Schulträger herausgebildet hat, die den Schulfrieden nachhaltig sicherstellt. Als selbstverwaltete Schule bringt sich unsere Elternschaft regelmäßig bei Umbauvorhaben,
den halbjährlich notwendigen Pflegearbeiten der Außenanlage oder bei "Großputztagen" tatkräftig ein. Viele SchülerInnen helfen dabei auch mit. Auch engagieren sich Eltern mit ihrem Fachwissen ehrenamtlich bei Buchhaltungsarbeiten oder der Pflege der Haustechnik und helfen so das Budget der Schule zu schonen. Neben den unterjährig im Rahmen des Unterrichts stattfinden Klassenausflügen findet jedes Jahr zusammen mit allen Klassen und Lehrern ein Wanderausflug statt, bei dem die Eltern stets willkommen sind. Dies sind immer besondere Tage, an denen groß und klein, jung und alt immer wieder neu unsere besondere Schulgemeinschaft erfahren und unser Motto: "Wir machen Schule", lebendig wird. Mit dem jährlich stattfindenden Sommerfest, verbunden mit einem Tag der offenen Tür mit Aufführungen und Präsentationen der Klassen und Impulsvorträgen zum pädagogischen Konzept der Schule wollen wir uns der Öffentlichkeit darstellen. Zusammen mit dem gemeinsam von Eltern und SchülerInnen gestalteten Weihnachtsfest geben diese Tage dem Schuljahr einen Rhythmus und stärken das Wir-Gefühl und helfen mit, die Schule als soziale Gemeinschaft zu erleben. Vorbereitet durch einen eigens eingerichtete Freizeitaktivität „Homepagegestaltung" können sich die jeweiligen Klasen auf der Schulhomepage darstellen und auch über durchgeführte Projekte Berichten. Durch besonderen Nachweis qualifizierte Schüler übernehmen die Aufgabe des Schulsanitäters. Verantwortungsbewusste SchülerInnen aus verschiedenen Klassen haben die wichtige Aufgabe eines Energiebeauftragten übernommen und achten auf
geschlossene Fenster, kontrollieren die Heizkörper und schalten die Lichter aus. Viele unserer SchülerInnen haben an ihren früheren Schulen Gewalt, Mobbing und Ausgrenzung erfahren. Es ist erschreckend zu sehen, dass mache unter ihnen nun im geschützten Raum unserer Schule ähnliche Verhaltensweisen gegenüber Mitschülern zeigen. Durch präventives, institutionalisiertes Vorgehen im Klassenrat, bei Audienzen (intensiven Einzelgesprächen zwischen Mitarbeiterinnen des PPT und dem Schüler), wirken wir der Ausübung von Gewalt entgegen. Hier haben sich auch die von einem außerschulischen Partner angebotenen sozialen Kompetenztrainings mit erlebnispädagogischen Schwerpunkten als sehr wirksam erwiesen, um die Sozialkompetenz der SchülerInnen zu stärken. Dass sich unsere Schüler am PGE wohlfühlen zeigt sich im Schulalltag an vielen Stellen. Schon morgens eine Stunde vor Schulbeginn finden sich viele SchülerInnen ein. Das Musizieren der Schülerband, Tischtennisspielen und andere gemeinsame Aktivitäten vor und nach der Schulzeit bieten den SchülerInnen zusätzliche Begegnungs- und Kontaktmöglichkeiten und schaffen Nischen zum Wohlfühlen. Zu SchülerInnen, die versuchsweise oder endgültig erfolgreich an öffentliche Schulen Rückbeschult werden konnten, besteht auch nach ihrer Zeit am PGE ein intensiver Kontakt. Viele nehmen weiterhin die Betreuung durch das PPT wahr, oder suchen bei Lehrern Rat in schulischen Fragen. Nicht selten kommt es vor, dass sich bereits abgegangene SchülerInnen plötzlich für einige Stunden oder einen Tag wieder in der Klasse einfinden und mitarbeiten, als ob nichts gewesen wäre. Sie sind uns immer jederzeit willkommen und es ist schön zu sehen, wie sie einerseits die gewohnte Nähe und Vertraulichkeit unserer Schule suchen und andererseits reifen und lernen selbständig ihre eigenen Wege erfolgreich zu gehen. Immer wieder kommen Ehemalige am letzten Schultag vorbei und zeigen stolz ihre Zeugnisse als Beweis, „dass sie es geschafft haben“. Dies macht uns als Kollegium Mut, erfüllt uns mit Freude und zeigt uns, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Das PGE arbeitet intensiv mit außerschulischen Partnern zusammen. Prof. Dr. Friedrich von der Hochschule für Technik hat sich für die Betreuung der Robotik-AG durch Studierende der benachbarten Hochschule für Technik eingesetzt. Die SchülerInnen nehmen bei ihm im
Rahmen des NWT-Unterrichts an Vorlesungszyklen für Schüler an der Hochschule teil. Studierende der pädagogischen Hochschule Ludwigsburg führen derzeit eine Freizeitaktivität, die Foto-AG am PGE durch, bei der sie zugleich mehr über den Umgang mit von AD(H)S betroffenen lernen möchten. Darsteller des Studiengangs für Sprecherziehung von der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart treten immer wieder mit neuen Theatervorstellungen vor unseren Schülern auf. Dozenten und Mitarbeitern der
Hochschule ist es ein persönliches Anliegen, den SchülerInnen unserer Schule das Theater als lebendige Kunstform näher zu bringen. 6. Schule als lernende Institution

Schule als lernende Institution
Das PGE versteht sich als Modellschule und will mithelfen, neue Wege für eine gelingende Beschulung von AD(H)S-betroffenen zu finden. Dazu bedarf es im Kollegium einer großen Lernbereitschaft und Offenheit für Neues. Neben den regelmäßig stattfindenden beratenden Unterrichtsbesuchen durch die Schulaufsichtsbehörde, von denen das PGE sehr profitiert, nimmt das Kollegium ständig an Fortbildungsmaßnahmen des Regierungspräsidiums Stuttgart teil. Die gegenseitigen Unterrichtsbesuche im Rahmen unseres Qualitätszirkels wurden bereits oben erwähnt. Die selbstmotivierte AD(H)S-spezifische Weiterbildung durch eigene Lektüre wird systematisch ergänzt durch die fortlaufende Schulung während der wöchentlichen Teamsitzungen, sowie durch Vorträge, die von externen Psychologen und Psychotherapeuten in der Schule abgehalten werden. Wir alle wissen um die Wahrheit des Sprichworts: „Kindermund tut Wahrheit kund“. Deshalb stellen sich die Lehrerkollegen auch immer wieder der Selbstevaluation durch die SchülerInnen. Auch die Elternschaft ist in diesen Lernprozess eingegliedert, indem auch sie verbindlich an Schulungen zum Themenkomplex AD(H)S teilnimmt und zwar in Gestalt sogenannter „Elterntrainings“, die ebenfalls von externen Fachleuten durchgeführt werden.Das PPT stellt sich regelmäßig einer externen Supervision durch eine ausgewiesene, externe AD(H)S-Spezialistin, bei der auch komplexe Einzelfälle besprochen werden und Zielvereinbarungen getroffen und überprüft werden. Die Schulleitung versteht sich als „primus inter pares“ und nimmt selbstverständlich an allen Lernprozessen und Evaluationen teil und ermutigt zur konstruktiven Kritik aus dem Kollegium und der Elternschaft. Überhaupt setzen wir am PGE auf ein intensives, herzliches, und kollegiales Miteinander mit flachen Hierarchien, ohne dabei die erforderliche Professionalität außer Acht zu lassen. Wir suchen und finden die intensive Kooperation mit Ärzten, Psychotherapeuten, lerntherapeutischen Praxen und natürlich auch den Mitarbeitern an den Jugendämtern. Wir stellen unsere Schulkonzeption anlässlich von Vorträgen an anderen Schulen im Kollegium vor, um unser bereits erworbenes Wissen und unsere Erfahrung weiter zu geben. Dabei profitiert von dem Austausch und den Rückmeldungen die jeweilige Kollegenschaft. Es haben sich inzwischen verschiedene Kooperationen mit Schulen im näheren Umfeld ergeben, bei denen wir in schwierigen Fällen auch beratend tätig sind. Wir bieten Hospitationsgelegenheiten für Studierende der Pädagogik, der Sozialpädagogik, und auch für Lehramtsstudenten an. Im Rahmen dieser Hospitationen sind bereits mehrere Examensarbeiten zum Themenkomplex AD(H)S entstanden, durch die wir jeweils eine ganz neue Sicht auf unsere eigene Arbeit gewonnen haben. Dieser Austausch mit jungen Kolleginnen und Kollegen ist uns sehr wertvoll. Wenn wir die Erlaubnis erhalten, veröffentlichen wir die entstandenen Arbeiten auf der Homepage der Schule, um sie einem größeren Kreis von Interessenten zugänglich zu machen. Erst in jüngster Zeit haben wir mit Frau Prof. Dr. Hahn am Seminar für Lehrerbildung (Gymnasien) in Esslingen eine enge Zusammenarbeit verabredet. Im Rahmen dieser gegenseitigen Zusammenarbeit wollen unsere Kollegen in fachdidaktischer Hinsicht von dem Wissen und der Erfahrung des Seminars profitieren. Auf der anderen Seite will das Seminar uns bei der Ausbildung der Referendare einsetzen. Dazu sollen durch unsere Schule Vorträge am Seminar gehalten und Hospitationsmöglichkeiten für Referendare ermöglicht werden, denn die Ausbildung in den Seminaren zum Themenkomplex AD(H)S ist oft noch sehr verbesserungsbedürftig. Das PGE ist eine Forschungszusammenarbeit mit dem DIPF (Deutsches Institut für internationale pädagogische Forschung) und der Goethe-Universität Frankfurt unter Federführung von Frau Prof. Dr. Caterina Gawrilow eingegangen. Dieses Forschungsvorhaben hat im Oktober begonnen und zielt auf die Erforschung von Fragen der Verbesserung schulischer Leistungen von Kindern mit AD(H)S. Daraus wird ein Manual für die Fortbildung von Lehrern an öffentlichen Schulen entstehen, damit diese praktische Hilfestellungen für den erfolgreichen Umgang mit von AD(H)S-betroffenen SchülerInnen erhalten. Die Robert-Bosch Stiftung hat für dieses Forschungsvorhaben eine Förderzusage ausgesprochen. (s. Pressemitteilung vom 22.10.2010) Zusätzlich werden die MitarbeiterInnen des DIPF in Kürze eine Evaluation unseres Schulmodells vornehmen und dieses auf seine Qualität und Wirksamkeit hin überprüfen. Aus den sich ergebenden und mit großer Spannung erwarteten Ergebnissen werden sich weitere Lernprozesse für unsere Schule ergeben. Uns ist bewusst, dass eine Schule immer auf dem Wege ist und niemals stillstehen darf. Schulentwicklung ist ein lebendiger Prozess und wir wünschen uns, dass wir durch unsere Arbeit am PGE in Zusammenarbeit mit Spezialisten und Fachleuten langfristig einen wirksamen Beitrag zur Linderung der noch immer großen Not von AD(H)S-betroffenen SchülerInnen leisten können.